Nachdem die Reticulum-Node eingerichtet wurde, stellt sich häufig die Frage, wie das Netzwerk im Alltag funktioniert und worauf beim Betrieb geachtet werden sollte.
Dieser Artikel fasst die wichtigsten praktischen Hinweise zusammen.
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Netzparameter (kritisch)
Alle Nodes im Netzwerk müssen identische Funkparameter verwenden.
Dazu gehören:
- Frequenz
- Bandbreite
- Spreading Factor
- Coding Rate
Dies ist nicht optional, da Nodes sonst nicht miteinander kommunizieren können.
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Reichweite und Platzierung
Die Reichweite hängt in erster Linie von der Position der Node ab.
Empfehlungen:
- möglichst hohe Position
- Fensterplatzierung mit freier Sicht
- möglichst wenige Hindernisse zwischen den Nodes
Typische Reichweiten liegen – je nach Umgebung – zwischen einigen hundert Metern und mehreren Kilometern.
Die tatsächliche Reichweite hängt zusätzlich ab von:
- Gebäudedichte
- Gelände
- Funkstörungen
- Antennenqualität
Grundsätzlich gilt: Je höher die Node platziert wird, desto größer ist ihre Reichweite.
Feldtest
Der folgende Test wurde von cactus:blog durchgeführt.
Es wurden die in diesem Guide beschriebenen Einstellungen verwendet. Lediglich die Antenne von Node 1 wurde durch eine 3 dBi Fiberglasantenne (ca. 25 cm) ersetzt. Node 2 verwendete die mit dem LoRa-Board gelieferte Standardantenne.
Node 1: Kahlenberg (48.27261° N, 16.33943° E)
Node 2: Laaer Berg (48.16488° N, 16.40316° E)

Zwischen beiden Nodes konnten erfolgreich mehrere Nachrichten sowie NomadNet-Seiten übertragen werden. Die direkte Entfernung betrug über 13 km.
Dieser Test zeigt, dass mit den in diesem Guide verwendeten Einstellungen (u. a. SF9) selbst Verbindungen über sehr große Distanzen möglich sind, sofern die Positionierung der Nodes günstig ist.
Wichtig: Dieser Feldtest stellt keinen typischen Einsatz in einer Stadt dar. Beide Nodes befanden sich auf erhöhten Standorten mit weitgehend freier Sicht zueinander. Innerhalb einer Stadt können bereits einzelne Gebäude, Stahlbeton, Gelände oder andere Hindernisse die Reichweite drastisch reduzieren.
Der Test soll daher nicht zeigen, dass jede Node eine Reichweite von rund 13 km erreicht. Er demonstriert vielmehr, wie entscheidend eine gute Platzierung für die Leistungsfähigkeit eines Reticulum-Netzwerks ist.
In der Praxis werden Stadtgebiete daher nicht durch eine einzelne Node versorgt. Stattdessen können mehrere gut platzierte Backbone-Nodes verschiedene "Funkinseln" miteinander verbinden. Bereits wenige strategisch platzierte Nodes auf Dächern oder hohen Balkonen können Stadtteile miteinander vernetzen, während Reticulum die automatische Weiterleitung der Daten übernimmt.
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Indoor- und Outdoor-Nodes
Indoor
Vorteile:
- einfache Installation
- keine wetterfeste Hardware notwendig
Nachteile:
- geringere Reichweite
- stärkere Abschattung durch Gebäude
Beispiel einer Indoor-Node:

Outdoor
Vorteile:
- deutlich bessere Reichweite
- bessere Netzabdeckung
Nachteile:
- wetterfestes Gehäuse erforderlich
- Schutz vor Feuchtigkeit notwendig
Wichtig:
- ausreichende Belüftung sicherstellen
- Kondenswasser vermeiden
Es sei angemerkt, dass mit guten Outdoor-Nodes die Effizienz des Reticulum-Netzwerkes in Wien signifikant erhöht werden könnte. Operatoren mit Dachterrassen, Zugang zu hohen Gebäuden etc. sowie technischem Wissen werden ersucht, wenn möglich solche Nodes zu installieren.
Beispiel einer Outdoor-Node:

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Propagation Nodes
LXMF/Nomad Network kann Nachrichten zwischenspeichern, wenn:
- der Empfänger offline ist
- keine direkte Verbindung besteht
Diese Aufgabe übernehmen sogenannte Propagation Nodes. Sie speichern verschlüsselte Nachrichten zwischen und stellen sie später zur Abholung bereit.
Für zuverlässige Offline-Zustellung sollte mindestens eine bekannte, gut erreichbare Propagation Node als vertrauenswürdig markiert oder manuell ausgewählt werden. Ist keine vertrauenswürdige Propagation Node verfügbar, wird Propagation nicht verwendet.
Empfehlung:
- standardmäßig deaktiviert lassen
- nur auf sehr gut platzierten Nodes aktivieren, z. B. Outdoor-Nodes, Dächer oder Dachterrassen mit möglichst freier Sicht auf die Stadt
- nur aktivieren, wenn man die technischen Implikationen versteht
Zu viele oder schlecht erreichbare Propagation Nodes können das Netzwerk unnötig belasten. Gute Propagation Nodes sind stabile Infrastruktur, keine normale Benutzerfunktion.
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Erwartungshaltung
Das Reticulum-Netzwerk basiert auf LoRa und ist entsprechend limitiert.
Es eignet sich nicht als Ersatz für das Internet oder klassische Messenger.
Folgendes sollte erwartet werden:
- geringe Datenrate
- kurze Nachrichten
- sehr kleine Dateien
- teilweise längere Übertragungszeiten
Nachrichten werden nicht garantiert sofort zugestellt.
Je nach Netzgröße kann die Zustellung einige Minuten oder auch deutlich länger dauern.
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Software-Updates
Die verwendete Software wird regelmäßig aktualisiert.
NomadNet und Reticulum können mit folgenden Befehlen aktualisiert werden:
pipx upgrade nomadnet
pipx upgrade rns
sudo systemctl restart nomadnetOptional empfiehlt es sich außerdem, das Betriebssystem regelmäßig zu aktualisieren:
sudo apt update && sudo apt upgradeNach einem Update sollte geprüft werden:
- läuft der Service (
systemctl status nomadnet)? - werden andere Nodes gefunden?
- funktioniert der Nachrichtenversand?
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Rechtlicher Hinweis (Österreich)
Die Nutzung von LoRa im 868-MHz-Band ist in Österreich lizenzfrei.
Sie unterliegt jedoch regulatorischen Einschränkungen.
Wesentlich ist die sogenannte Duty-Cycle-Begrenzung.
Wert in Österreich für 868 MHz:
- 1 % Duty Cycle
Das bedeutet:
- 1 Stunde = 3600 Sekunden
- 1 % = 36 Sekunden Sendezeit pro Stunde
Konsequenzen:
- dauerhafte Datenübertragung ist nicht zulässig
- Nachrichten müssen kurz und effizient sein
- hohe Sendeaktivität kann gegen die gesetzlichen Vorgaben verstoßen
Zusätzlich gelten:
- maximale Sendeleistung (typisch 14 dBm im EU868-Band)
- Nutzung der vorgesehenen Frequenzbereiche
Die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben liegt in der Verantwortung des Betreibers. Zwar ist nicht davon auszugehen, dass einem bei Vergehen die Cobra geschickt wird, aber es sei hier erwähnt. Es ist mehr im Sinne der Fairness, dass man die Frequenz nicht unnötig überlädt.
Duty Cycle
Was bedeutet 1% Duty Cycle konkret?
36 Sekunden Sendezeit pro Stunde liest sich zwar stark restriktiv, bezieht sich aber auf die tatsächliche Sendezeit. Da LoRa hauptsächlich für kleinere Textnachrichten und sehr kleine Dateien gedacht ist, ergibt sich (näherungsweise) folgendes:
„Treffen wir uns heute um 18 Uhr am Westbahnhof.“
sind bei SF9 einschließlich des notwendigen Protokoll-Overheads typischerweise nur etwa 1–2 Sekunden Sendezeit (ca. 46 Byte Nutzdaten zzgl. Protokoll-Overhead)
Damit wären – abhängig von der tatsächlichen Paketgröße und möglichen Wiederholungen – ungefähr 20 bis 35 Nachrichten pro Stunde möglich, bevor die gesetzliche Duty-Cycle-Grenze erreicht wird.
Aus diesem Grund wurde in diesem Guide SF9 gewählt. Höhere Spreading Factors erhöhen zwar die Reichweite und Robustheit, verlängern jedoch die Sendezeit jedes Pakets erheblich (Faktor 2 pro SF-Level). Dadurch sinkt die Anzahl der möglichen Nachrichten pro Stunde deutlich und die verfügbare Funkkanalzeit wird wesentlich stärker belastet.
Ein Beispiel einer längeren Nachricht wäre:
„Wir müssen das heutige Treffen leider verschieben. Arbeitsbedingt werde ich erst nächste Woche Zeit haben. Was hältst du von kommendem Mittwoch um 15 Uhr oder alternativ Freitag um 17 Uhr? Schreib einfach zurück – ich rufe die Nachricht ab, sobald ich wieder online bin. Ich gebe außerdem Kathi Bescheid, sonst steht sie nachher noch alleine am Treffpunkt.“
Diese Nachricht ist in etwa 500 Bytes groß (mit Overhead) und könnte in etwa 8 x pro Stunde gesendet werden.
Die tatsächliche Nutzung ist sowohl auf dem Display des LoRa-Boardes sowie in Nomadnet ersichtlich.
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Zusammenfassung
Für einen zuverlässigen Betrieb einer Reticulum-Node sind vor allem folgende Punkte entscheidend:
- korrekte Funkparameter
- gute Platzierung der Node
- regelmäßige Software-Updates
- realistische Erwartungen an LoRa
Sind diese Punkte erfüllt, lässt sich mit vergleichsweise geringem Aufwand ein stabiles und energieeffizientes Netzwerk aufbauen.